Bier trinken, krebserregend ? Geht´s noch ?

Eine kühle Maß, sagen viele, sei ein Beweis für die Existenz Gottes. So ist es. Wers nicht glaubt, gehe nach diesem elenden Winter-und-doch-nicht-Winter zum Augustiner in der Arnulfstraße, setze sich in den Biergarten und bestelle sich eine Maß, ein Wammerl mit Kartoffelsalat, eine Brezn, und dann nach dem ersten Schluck blicke er durch die Kastanien in die Höhe und sage einfach nur: Danke, schön dass es dich gibt ! (Und etwas leiser dann: Ich bin mir da nicht immer so sicher.)

 

Das soll nun alles nicht mehr gelten. Ein Münchner Umweltinstitut (den Namen verschweigen wir an dieser prominenten Stelle noch) hat herausgefunden, dass sich in 14 Biersorten Glyphosat befindet, ein Pestizid mithin, das möglicherweise, keiner weiß es genau, Krebs auslöst. Unter den Biersorten sind Krombacher, Jever und Hasseröder (was nicht wirklich überrascht), aber auch (und jetzt tuts weh) die Münchner Hausmarken Augustiner, Franziskaner und Paulaner. So richtig gefährlich wird es aber erst bei 1000 Maß am Tag, alles andere liegt unterhalb der WHO-Grenzmarke. Wir müssten uns also stark einschränken. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) winkt derweil ab. Viel Schaum um nichts ! Das sagt es nicht, es klingt in seiner genervten Reaktion aber deutlich an.

 

Verfeinert haben sich aber vor allem die Messmethoden: Ein Stück aufgelösten Würfelzucker im Bodensee nachzuweisen, kein Problem. Raucht der Bauer im Hühnerstall, lässt sich das Nikotin im Ei nachweisen, ebenfalls kein Problem. Fast alles lässt sich inzwischen in allem nachweisen. Schwere Zeiten für Reinheitsfanatiker. Geschieht ihnen recht. Jede Neurose (und darum handelt es sich) hat ihre Folgen im Alltag.

 

Noch ein Wort zum beauftragten Institut, dem Münchner Umweltinstitut, was so wunderbar unabhängig klingt: Tatsächlich sind es privatwirtschaftlich organisierte Umweltschützer (e.V.) mit einer gewissen, vielleicht auch größeren Nähe zum ökologischen Anbau und seinen Lobbyisten. Über die  Unabhängigkeit darf also spekuliert werden. Und dann dies noch: Getestet wurde für die Untersuchung stets nur 1 Flasche der betreffenden Brauerei. Üblich ist jedoch, um Irrtümer auszuschließen, eine breitere Basis. Seltsam ist schließlich auch der Termin der Veröffentlichung, wenige Tage, bevor die EU über ein generelles Glyphosat-Verbot entscheidet.

 

Egal, die Sau ist durchs Dorf getrieben und nach Wurst und Milch wars ja auch höchste Zeit. Wir aber gründen jetzt ein Institut für Studien, die sich als alarmistisch, spekulativ, haltlos und sinnlos erweisen. Einen Namen haben wir auch schon: Zentrum für Wissenschafts-Falsifikation (ZfW). Es wird ordentlich zu tun haben.

 

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